von Eva Raps und Urban Kaufmann
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Foto: Hermann Heibel foto@hbpa.de

Danke, Hermann Heibel, für die spontane Fotosession am Ostermontag!

 

Nachdem wir die Trauben des Jahrgangs 2014 mit klopfendem Herzen zu Riesling und Co. haben werden lassen, möchten wir Ihnen nun die Früchte unserer Arbeit nicht länger vorenthalten.

PROBIEREN. GENIESSEN. ENTSCHEIDEN.

Im Mittelpunkt unseres kleinen Genießerfestivals soll der Jahrgang 2014 stehen. Wir werden die Weine thematisch gruppieren, so dass Sie sich in aller Ruhe auf die verschiedenen Geschmacksbilder konzentrieren und sich ihre Favoriten gezielt aussuchen können. Und damit auch wirklich alle Sinne auf ihre Kosten kommen, möchten wir Sie mit kulinarische Beiträgen, selbst gekocht und zu den jeweiligen Weinen passend, verwöhnen.

VOM 14. MAI BIS ZUM 17. MAI VON 11.00 BIS 19.00

Wir erwarten Sie und ihre Freunde mit allem Guten, was die Küche und dem Besten, was unser Weinkeller zu bieten hat, denn das was wir mit dem Jahrgang 2014 in die Flaschen gebracht haben, ist wirklich eine Reise in den schönen Rheingau wert.

Herzlichst
Eva Raps und Urban Kaufmann

PS: Für die vielfältigen kulinarischen und vinologischen Genüsse berechnen wir pro Person einen kleinen Obulus in Höhe von 20 Euro, den wir Ihnen im Falle Ihres Weineinkaufs direkt wieder gutschreiben. Zur Erleichterung unserer Planung bitten um Ihre Anmeldung per Telefon 06723-2475  oder E-Mail.

Die Weinwelt ist klein…. Von unserem Partnerwinzer Ze’ev Dunia von der Seahorse winery aus Israel erreichten uns heute per Mail die ersten Glückwünsche zu dem Artikel von Michael Schmitt, dem Verkoster aus dem Team von Jancis Robinson, der bei der Hommage auf Hans Lang die Wisselbrunnen Rieslinge und die Johann Maximilian Spätburgunder verkostet hat. Hier kann man den Artikel (in Englischer Sprache) nachlesen….

Hier geht es zu den Tastingnotes von Mario Scheuermann, die vor kurzem im Weinwisser veröffentlicht wurden…

Und hier sind Mario Scheuermanns Bewertungen der Wisselbrunnen Vertikale…. ,mit Bewertungen aktueller Jahrgänge von 89 – 93! Punkten, nachzulesen

Und wenn ich gerade schon mal dabei bin….

…. Jancis Robinsons Bewertung unser 2002er Schützenhaus Spätlese mit 17,5 von 20 Punkten!

…. Jancis Robinsons Bewertung unseres 2013er Schützenhaus Riesling trocken VDP.ERSTE LAGE mit 17,5 von 20 Punkten!

…. Bewertungen unseres Weinguts-Portfolios im aktuellen Falstaff Führer, Eichelmann und Gault Millau

Wir freuen uns sehr, dass uns das Schicksal ein so renommiertes Weingut zugeführt hat. Unsere Startposition ist anspruchsvoll, aber die Verkostungen unseres ersten eigenen Jahrgangs 2014 aus dem Fass sind vielversprechend und wir sind überzeugt, dass wir über kurz oder lang den bisherigen Bewertungen des Weinguts noch eines drauf setzen können….

Vor fast genau einem Jahr, Anfang März 2014, sind wir hier in das Gutshaus in Hattenheim gezogen. Auch wenn wir keinen Tag lang unsere Entscheidung bereut haben, so gab es doch nicht wenige angespannte Stunden, vor allen Dingen in den ersten Wochen und Monaten. Unsere beider Leben wurden einmal durcheinandergewirbelt und auf den Kopf gestellt. Kein Handgriff war mehr vertraut, selbst der Griff zu Zahnbürste am Morgen fühlte sich anders an und wo hatte ich nun wieder meinen Autoschlüssel hingelegt oder meine Schuhe abgestellt…

Im Laufe des Jahres trat dann selbstverständlich bei vielen Situationen und Arbeiten eine gewisse Routine ein, und irgendwann begann ich mich zu fragen, ob nun mein Leben vorher streßiger gewesen ist, oder ob das Winzerleben schwieriger und schneller ist. Die endgültige Antwort auf diese Frage habe ich noch nicht gefunden, aber alleine, wenn man spürt, dass man am “richtigen Platz” angekommen ist, erträgt man manche Sorge und manchen Ärger etwas leichter.

Aber eines ist ohne Frage gleich schön geblieben: die vielen schönen und genussreichen Veranstaltungen und die vielen Begegnungen mit lebensfrohen Genussmenschen, die wissen, was es heißt für diesen Genuss manchmal auch hart arbeiten zu müssen.

So erlebten wir in der vergangenen Woche bei den Veranstaltungen des Rheingau Gourmet & Wein Festivals wieder so manches Highlight. Vor allen Dingen um die Veranstaltung “Die besten Deutschen Spätburgunder” darf man uns gerne etwas beneiden. Alleine schon, dass wir unseren Wein hier “auf Augenhöhe” mit allen Winzern die Rang und Namen haben präsentieren können ist herrlich, und dann diese Weinverkostung und das hervorragende Essen von Sebastian Lühr im Kronenschlösschen miterleben zu dürfen, ist dann tatsächlich beneidenswert.

Es ging los mit einem Flight Rheingauer Spätburgunder unter den ein Württemberger von Schnaitmann “gemischt” war… Offensichtlich war Rainer Schnaitmann mit seinem Wein nicht sehr zufrieden und betonte das in seiner Weinansprache auch recht deutlich… Vielleicht war es aber auch nur ein Marketingtrick, denn er hatte mit seinem selbstkritischen Statement nicht nur die volle Aufmerksamkeit, sondern auch noch die Lacher der Gäste auf seiner Seite. Mir persönlich hat der erste Wein aus diesem Flight besonders gut gefallen – und das lag nicht daran, dass der Weinmacher Eckhart Waitz, der diesen Wein 2012 bei Weingut Diefenhardt erzeugt hat, heute bei uns im Weingut arbeitet….

Im zweiten Flight wurden 4 Rheingauer serviert, und an letzter und vierter Stelle der 1999er Johann Maximilian R aus der Doppelmagnum. Obgleich wir den Wein noch im Januar bei der Hommage an Hans Lang verkostet hatten und Mario Scheuermann ihn auch sehr gut bewertet hat, erschien er in der Reihe der (zu) jungen 2011er und 2012er Kollegen doch sehr gereift in der Nase. Am Gaumen war er durchaus noch sehr straff und harmonierte auch gut zu den Ochsenschwanzraviolis, aber wir haben daraus gelernt, dass wir solch besondere Raritäten nur noch als “Solokämpfer” auf die Reise schicken werden… Sobald mehrere Weine gleichzeitig nebeneinander gezeigt werden, ist jeder automatisch versucht zu vergleichen und beim Vergleich gibt es immer ein “besser” und ein “schlechter”… Damit wird man Weinen aus der Schatzkammer leider nicht gerecht….

Besondere Herausforderung für Urban war der erste Hauptgang. Es gab nämlich Täubchen und diese sieht Urban bekanntlich lieber fliegen, als auf seinem Teller. Aber selbst er mußte zugeben, dass das Gericht hervorragend war… Die 2012er Weine von Kleinmann (Pfalz), Meyer-Näkel (Ahr) und Seeger (Baden) waren so unterschiedlich wie sie nur sein können und jeder ein Charakter für sich.

Ich muss zugeben, dass meine Konzentration durch das viele hin- und herprobieren mit den nächsten Flight (ein Weinflight ohne Essen) dann schon etwas nachlies, genauso wie meine Notizen dazu auf der Menükarte. Deutlich in Erinnerung ist mir der 2009 Spätburgunder “A” von Franz Keller geblieben, der mein Favorit war, zwischen dem 2009er Herrenberg GG von Stodden und dem 2003 Rhini von Ziereisen…

Sinnstiftend für ein Rotweinmenü, war es, dass anstelle eines Desserts ein zweiter Hauptgang serviert wrude. Das Rinderfilet war so perfekt zubereitet, dass es offensichtlich meine ganze restliche Aufmerksamkeit für sich beansprucht hat, denn ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich mich an die Eigenheiten der letzten vier Weine von Huber, Knipser, Fürst und Molitor nicht mehr erinnern kann, denn aufgeschrieben habe ich dazu gar nichts mehr.

Und dass ich nach diesem übervollen genußreichen Nachmittag für den Rest des Tagens nicht mehr allzu leistungsfähig war, glaubt mir wohl auch jeder sofort….

Ich sag ja, ein hartes Winzerleben ist das….

Menükarte der Besten Deutschen Spätburgunder

Für die Rotweinflecken auf der Karte bin ich aber nicht verantwortlich….!

 

Ökologischer Weinbau

22. Februar 2015 | von Urban in Allgemein | Weingut - (0 Comments)

Vergangene Woche nahm ich an einem einwöchigen Kurs zum Thema “Einführungskurs ökologischer Weinbau” teil, den der Ökoverband ECOVIN im Kloster Jakobsberg durchgeführt hat.

In der Einleitung des Programmflyers hieß es:

“Hohe Betriebsmittelaufwendungen, Verluste an wertvoller Bodenkrume, Nitratauswaschungen und administrativ festgelegte Mengenerträge haben auch im Weinbau in den letzten Jahren ein Umdenken herbeigeführt. Immer mehr Winzer versuchen auf chemisch – synthetische Stoffe zu verzichten.
Gerade der Weinbau ist als Monokultur ein sehr anfälliges System, dass durch intensive pflegerische Maßnahmen geschützt werden muss. Der ökologische Weinbau bietet Maßnahmen und Verfahren an, mit denen die Gesundheit von Boden und Reben langfristig gefördert und erhalten werden kann…. ”

Rechts: unsere Weinberge im Herbst 2014, beide Gassen begrünt

Nachdem ich im letzten Jahr hautnah erleben durfte welche Vor- aber auch Nachteile ökologischer Weinbau hat, (unser Weingut ist seit dem Jahrgang 2012 zertifiziert) war ich natürlich sehr gespannt was die Referenten zu verschiedensten Themen zu berichten wussten. Eine Weiterbildung ist ja immer ein Abgleichen von Theorie, Praxis und den eigenen Vorstellungen.

Die rund 30 Teilnehmer kam aus allen Teilen Deutschlands und sogar eine kleine Gruppe aus Holland war dabei. Von Weinhändler über Hobbywinzer bis hin zu Profis war alles vertreten.

Der erste Tag:
Der vielfältige Themenreigen begann am ersten Tag mit dem Vortrag „ der Boden als Grundlage des ökologischen Weinbaus – der Boden als lebendiger Organismus“. Ein sehr spannendes Thema. Die Wetterschwankungen werden immer extremer. Das Klima wird wärmer, die trockenen Perioden werden immer länger, aber auch die Niederschläge werden immer intensiver. Viele Böden sind mit dieser Situation überfordert und so kommt es, dass die Maschinen und Vollernter tiefe Spuren hinterlassen, die man nicht so einfach wieder beheben kann.

Eines der Hauptanliegen des ökologischen Weinbau ist daher die Begrünung der Gassen zwischen den Reben und deren Bearbeitung, denn durch gezielte Maßnahmen kann man hier dem Boden wieder richtig Leben “einhauchen”. Oft ist es so, dass jede zweite Gasse umgebrochen wird und die andere mit einer Begrünung versehen ist, und nach ca 3 Jahren wird gewechselt. So wurde es auch im Weingut Hans Lang praktiziert.
2014 wollte ich nun die offene Gasse mit einer vielseitigen Samenmischung einsäen und die bisherige begrünte Zeile umbrechen. So weit so gut. Ich wählte sorgfältig aus mehreren Anbietern und Samenmischungen meine Aussaat der Wahl, und bereitete alles perfekt für die Einsaat vor. Der Samen wurde ausgebracht und wir warteten auf die ersten grünen Spitzen. Jedoch hatten wir nicht mit dem warmen und trockenen Frühjahr gerechnet, denn der Samen benötigte bald dringend Regen, der leider nicht kam. Die Einsaat wuchs so langsam und so schwach, dass ich sehr enttäuscht war. Die ganze Arbeit war fast vergebens…!!!
Als dann der Boden dann doch noch grün wurde, war der Zeitpunkt für das Umbrechen der alten Gasse schon zu spät, denn mit dem Umbrechen des Bodens wird viel Stickstoff freigesetzt. So ein Stickstoffschub, der wie eine riesige Düngemitteldosis wirkt, war zu diesem Zeitpunkt jedoch absolut unerwünscht, da die einzelnen Beeren an der Traube sehr groß und sich in der Reifephase gegenseitig abquetschen würden…. und das hieße große Fäulnisgefahr.
Also was Tun??? Wir entschieden, den Weinberg auf Vollbegrünung umzustellen. Das heißt seither ist bei uns jede Gasse ist begrünt und dadurch besser befahrbar. Im Oktober 2014, der ja bekanntlich extrem nass war  wurde sehr viel Wasser von den Gräsern aufgenommen und stand damit nicht den Reben zur Verfügung. Die Beeren wurden nicht zu prall und somit blieben unsere Reben länger gesund, was uns von den Kollegen im Ort mehrfach bestätigt wurde. Fazit: Glück im Unglück!

Der zweite Tag:
„ Nährstoffversorgung im System ökologischer Weinbau“
Ebenfalls ein sehr spannendes Thema. Ziel muss es sein, das Bodenleben so zu versorgen dass sich die Rebe darin wohl fühlt und keine Mangelerscheinungen zeigt. Ein Satz der sich vielleicht im ersten Moment komisch liest, aber ist tatsächlich so. Ein intakter Boden der keine Bodenverdichtungen hat, viele Bodenlebewesen besitzt ( Regenwürmer… ) ist ein guter Weinbergs Boden. Und wie bekommt man so einen Boden? Einerseits ist hier auch die Begrünung der Gassen extrem wertvoll und zusätzlich bringen wir regelmäßig – vor allen Dingen dort, wo die Reben ein eher schwaches Wachstum oder Mangelerscheinungen zeigen, organische Dünger (Kompost) in den Weinberg ein.

Dritter Tag.
„Pflanzengesundheit im ökologischen Weinbau“
Es ist nicht so, dass im ökologischen Weinbau nicht gegen Krankheiten gespritzt wird, aber es sind ganz andere Mittel wie in konventionellen Weinbau. Der Pflanzenschutz kann für Ökobetriebe sehr schwierig sein, und dies ist wohl auch der häufigste Grund warum nicht mehr Winzer auf ökologischen Weinbau umstellen. Die konventionellen Mittel dringen in die Pflanze ein und wirken dadurch stärker und auch länger und bieten dem Winzer mehr Sicherheit.
Wir dagegen nutzen Mittel (Schwefel und Kupfer), die “nur” an der Oberfläche der Rebe wirken und schützen damit die Rebe vor Peronospora (falscher Mehltau) und Odium (echter Mehltau). Weitere organische Mittel, die wir verwenden stärken die Rebe und machen sie widerstandsfähig gegen Krankheiten. Man könnte das auch als “Hilfe zur Selbsthilfe” bezeichnen…

Vierter Tag:
„ Richtlinien, Kontrolle und Deklarationsfragen“
Ohne Bürokratie geht es leider nicht… so wurde uns erklärt was wir z.B. auf das Etikett schreiben müssen und wie gross die Buchstaben dafür sein müssen. Dieser Workshop war für mich persönlich nicht besonders interessant, da unser Weingut ja schon auf ökologischen Weinbau umgestellt ist. Da mehrere Gruppen gebildet wurden, konnte ich jedoch unserer Gruppe verschiedene Tipps geben auf was man bei einer Umstellung achten muss.

Fünfter Tag:
„ biologisch – dynamischer Weinbau“
Die Einführung gab uns einen Einblick in den biologisch – dynamischen Weinbau und seine Umsetzung in der Praxis. Ein zweiter Teil war die Bedeutung der Präparate und der deren Einsatz in der Praxis.
Da mich dieses Thema extrem interessiert und ich auch schon die ein oder anderen “Maßnahme” in 2015 fest eingeplant habe, werde ich zu diesem Thema ein anderes Mal berichten…

Unser Traum

22. Februar 2015 | von Eva in Allgemein | Persönliches - (0 Comments)

Ich hatte ja eine Fortsetzung unserer Geschichte angekündigt…

Wie bei Fortsetzungsromanen üblich hier die Kurzfassung des bisher Geschehenen: Der Schweizer Käseproduzent Urban Kaufmann trifft bei der Suche nach einer neuen Herausforderung in einem Weingut im deutschsprachigen Raum auf den Berater Erhard Heitlinger. Dieser vermittelt eine erste Kontaktaufnahme zur Geschäftsführerin des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter, die seit vielen Jahren ebenfalls von einem eigenen Weingut träumt. Die beiden treffen sich nach wenigen Telefonaten zu einem “Blind date”….

An einem heißen Sommertag (im Juni 2012) trafen wir uns dann also auf halbem Weg zwischen Mainz und St. Gallen im badischen Freiburg zu einem Abendessen mit Käse und Wein. Von der “ganz großen Liebe auf den ersten Blick” zu sprechen wäre jetzt übertrieben, aber wir fanden uns gegenseitig sehr sympatisch und wir erkannten beide, dass der jeweils Andere die optimale Ergänzung zur Realisation unserer Träume war. Was uns nun noch fehlte war das geeignete Weingut.

Und das war gar nicht so einfach, zumal es bis dato keine nur annährend zentrale Anlaufstelle für Weingüter gab, die eine Betriebsnachfolge suchten oder gar mit dem Gedanken spielten ihr Weingut zu verkaufen. Erhard schaltete Anzeigen, sprach Banken und Sparkassen an und hörte sich in den Weinregionen um. So kam ein kleines Portfolio zusammen, das Urban und er auf eine handvoll Betriebe eindampften, die sie sich dann näher ansahen.

Urban und ich kommunizierten derweil per Skype und sahen uns ca 1 Mal im Monat bei einem wechselseitigen Besuch. Natürlich hielt er mich auf dem Laufenden was die Weingutssuche anging. Und wir sahen uns auch ein paar Güter gemeinsam an, allerdings mehr von außen und nur zwei bei einem gemeinsamen Gespräch mit den Weingutsinhabern.

Urban wurde ab Anfang 2013 ziemlich ungeduldig und betonte mehrmals, dass er, wenn das mit dem aktuell zur Debatte stehenden Weingut nichts würde, nicht länger suchen könne, da es sehr anstrengend für ihn war, sich mit den diversen Zahlen und Konstrukten auseinanderzusetzen. Ganz zu schweigen von der psychischen Belastung der ständigen Suche und des Infragestellens der bisherigen Existenzgrundlage und Lebensform. Ich dagegen plädierte dafür, dass wir uns Zeit nehmen müßten, denn schließlich reift die Entscheidung ein Weingut zu verkaufen auch über mehrere Jahre und irgendwann würde sich schon das richtige auftun.

Trotzdem machte ich mir natürlich auch Gedanken über meine / unsere Zukunft, wenn kein Weingut gefunden würde. Ein Leben in der Schweiz klingt zwar verlockend, aber Urban hatte im Grunde eine 7 Tage Woche, nahm nie Urlaub, und vor allen Dingen was für eine Beschäftigung würde ich hier finden können, die meinen Kompetenzen entsprach…? Es war schlichtweg nicht vorstellbar für mich, dass “die Hand die mich führt” vorhatte, mich in die Schweiz zu führen….

Fortsetzung folgt

Die Amtliche Prüfungsnummer

19. Februar 2015 | von Eva in Allgemein | Weingut - (2 Comments)

Zwar war ich auch beim VDP ein “Hansdampf in allen Gassen”, sprich die Aufgabengebiete waren äußerst vielfältig, aber so langsam beschleicht mich der Verdacht, dass ein Weingut noch mehr Herausforderungen bietet. Diese sind zwar immer begrenzt auf den eigenen kleinen Weinguts Kosmos, und der Zeitdruck, den die ein oder andere Aufgabe mit sich bringt, entsteht nicht gar so häufig wie bei meiner früheren Aufgabe, aber die Fragestellungen und die „Fettnäpfchen“ in die man hineintreten kann sind schon äußerst vielfältig.

Dazu kommt, dass wir beide ja Quereinsteiger sind, und daher das Winzerleben nicht von der Pike auf gelernt haben. Uns fehlen nicht nur die Lehr-, sondern auch die Gesellenjahre und doch stehen wir täglich vor den Aufgaben eines Meisters, zumal Hans Lang nicht mehr ständig hier ein und aus geht und wir auch keine Standleitung nach Eltville eingerichtet haben…

Beispiel gefällig?
Bestimmt lernt man bereits als Azubi, dass man den gleichen Wein auf gar keinen Fall unter zwei verschiedenen AP Nummern (Amtlichen Prüfungsnummern) auf den Markt bringen darf. Und eigentlich gibt es auch gar keinen Sinn, aber es kann eben passieren. So geschehen, als ich die Eigenausstattungs Etiketten für zwei unterschiedliche Kunden gestalten und drucken ließ. Beide Kunden bekommen den gleichen Wein, aber da anfangs nicht ganz klar war, ob es vielleicht doch zwei Abfüllungen mit unterschiedlichen Inhalten geben wird, habe ich im Ordner für die AP Nummern Anträge schon mal zwei Nummern reserviert und auch in die jeweiligen Etiketten eindrucken lassen.

Als Hans sich die fertig gefüllten und etikettierten Flaschen angesehen hatte, war er ganz aus dem Häuschen… Offensichtlich hatte ich ein „Kapitalverbrechen“ begangen, das man hierzulande mit „Verbrauchertäuschung“ betitelt und für das man ziemlich hart bestraft werden kann.

Zum Glück musste ich jedoch nicht die Etiketten von Tausenden Flaschen von Hand wieder abfriemeln, sondern es gibt die Möglichkeit eine Ausnahmegenehmigung beim zuständigen Regierungspräsidium in Darmstadt zu beantragen…
Diese gibt unser lieber „Überwachungsstaat“ selbstverständlich nicht kostenlos, sondern es wird eine Gebühr erhoben, die sich nach dem Wert der falsch ausgestatteten Ware richtet. Glück gehabt: Wir kommen mit der Mindestgebühr von 240 Euro davon…. Jedoch, jeden Tag wäre so ein „Lehrgeld“ auf Dauer etwas zu viel….

Und damit auch die Weinlaien unter unseren Lesern heute etwas dazulernen können, hier mal die Entschlüsselung der AP Nummer, die sich auf jedem Etikett eines in Deutschland abgefüllten Weines befindet:
Zunächst liest man die Ziffer von rechts: Die ersten beiden Zahlen, sind die Jahreszahl des Jahres in dem der Wein zu AP Prüfung angestellt wurde. Das ist im Normalfall das Jahr nach der Lese, bei einem Rotwein kann das aber schon mal ein oder zwei Jahre später der Fall sein. Aber irgendwann kommt ein Wein in die Flasche, und wenn man ihn dann auch verkaufen will braucht er diese AP Nr.
Die nächsten drei Ziffern werden der Reihe nach vom Winzer für die einzelnen Weine / Abfüllungen vergeben. Also 001, 002, 003, usw bis theoretisch 999… So viele verschiedene Weine haben wir zum Glück nicht…
Und alles was dann folgt ist die Betriebsnummer. So ähnlich wie jeder Betrieb und jeder Mensch eine Steuernummer hat. Bestimmt gibt es hier auch noch weitere Indizien die erkennen lassen, aus welchem Bundesland der Betrieb kommt usw., aber das hat mir mein bisheriges Lehrjahr noch nicht vermittelt. Und für Wein-Laien ist das hoffentlich auch eher uninteressant.

Und übrigens, die AP Nr. bekommt man natürlich nicht einfach so – und auch nicht umsonst – sondern der Wein wird in einer Blindverkostung getestet und nur wenn die Qualität für gut befunden wird, erhält der Wein auch die Nummer. Das nennt man hierzulande „Qualität im Glas“.

Bezahlen muss man die Gebühr aber auf alle Fälle, auch wenn der Wein die Prüfung nicht geschafft hat. Das ist uns Gottseidank noch nicht passiert….

Hommage auf Hans Lang

26. Januar 2015 | von Eva in Allgemein | Weingut - (0 Comments)

Die Bewertungen der Spätburgunder im Weinwisser 02/2015 lesen Sie hier…

Impressionen

Nach unserem ersten Newsletter Anfang 2014 mit dem Titel “Mut steht am Anfang, Glück am Ende” meldete sich der bekannte Weinjournalist Mario Scheuermann telefonisch und schwärmte von den tollen Spätburgundern die Hans Lang seit jeher gemacht hat.

Das brachte uns auf die Idee, Hans zu seinem 65. Geburtstag und zum Eintritt ins Rentenalter im vergangenen Jahr einen Gutschein für eine Raritätenprobe seines eigenen Lebenswerks zu schenken. Ein genussvoller Rückblick über die vergangenen 40 Jahre zusammen mit einigen Weggefährten aber auch Profis der Presse, welche die Weine dann (hoffentlich) öffentlich würdigen würden.

Diese Probe fand gestern in der Vinothek Weinpunkt statt und wir waren begeistert, dass so viele hochkarätige Fachleute und Weggefährten von Hans kommen konnten.

Mario Scheuermann (Weinwisser), Stephan Reinhardt (WineAdvocat), Michael Schmidt (Jancis Robinson), Armin Diel, Wilhelm Weil und Jochen Becker-Köhn (VDP Kollegen), Werner Vogel, Josef Laufer, Friedel Moos (langjährige Freunde) und Patrick Langguth (Exporteur).

Zur Begrüßung starteten wir mit dem ältesten Wein aus der Schatzkammer, dem einzigen Wein, den Hans noch von seinem Vater übernommen hat. Eine 1959er Jungfer Auslese, die vor 20 Jahren umgekorkt wurde und so frisch schmeckte, als sei sie aus den 90ern…

Anschließend gab es nach einem 1993er Schönhell- Erstes Gewächs, eine Vertikale von 12 Wisselbrunnen Ersten Gewächsen von 1994 – 2013. Und da wir nicht nur in der Vergangenheit schwelgen, sondern auch einen Ausblick in die Zukunft geben wollten, holte Urban noch zwei Fassproben vom 2014er aus dem Keller.

Nach einer wunderbaren Fischterrine aus dem Hause Laufer (Weinhaus Krug in Hattenheim) starteten wir mit den Spätburgundern, gut 20 Weine, angefangen von einem 1978er Höllenberg bis hin zum 2012er Johann Maximilian.

Ich denke es war eine sehr würdige Probe und Hans, der leider mit einer Erkältung zu kämpfen hatte, konnte es hoffentlich trotzdem etwas genießen, wie ihm Tribut gezollt wurde.

Mich hat die Menge der Weine zugegeben etwas überfordert, zumal ich auch die Organisation des Ausschanks der Weine übernommen hatte und nicht voll konzentriert verkosten konnte. Aber letzteres ist auch ein bisschen Ausrede. Selbst wenn ich konzentriert gewesen wäre, wären mir nicht zu jedem Wein die passenden beschreibenden Worte oder gar Punktzahlen für die Qualität eingefallen. So warten wir jetzt gespannt auf die Veröffentlichung von Mario Scheuermann im Weinwisser, die ab Februar zu lesen sein wird.

Ohne die hervorragende Qualität der Weine in irgendeiner Weise schmälern zu wollen, und in der Gefahr als “Weinbanause” beschimpft zu werden: Für mich war der Höhepunkt des Tages das geschmorte Kalbfleisch mit geräucherter Ochsenmarksoße von Josef Laufer junior. Ein herzhaft konzentrierter und gleichwohl delikater Hauptgang, wie ich ihn selten gegessen habe. Spitzenklasse eben!

Die Liste der Weine und das komplette Menü gibt es hier….

Der bildhafte Einblick in einen denkwürdigen Nachmittag wurde von unserem Freund und Nachbarn Hermann Heibel aufgenommen:

Auch der zweite Abend war ein voller Erfolg und hat auch Urban und mir, dank der zunehmendne Routine sehr viel Spaß gemacht.

Hier gehts den Schnappschüssen des Abends von Hermann Heibel….

 

So hieß der Titel der Veranstaltung der Hochschule Geisenheim in Kooperation mit Erhard Heitlingers Firma Wein & Rat am gestrigen Abend. Hans Lang, Urban und ich sollten in einer kleinen Talkrunde ein wenig über unsere Erfahrungen hinsichtlich der Erfüllung und Umsetzung unseres Traumes berichten.

Urban war nämlich Erhard Heitlingers erster Kunde in Sachen Beratung beim Kauf eines Weinguts. Inzwischen hat Erhard Heitlinger eine kleine Welle ausgelöst, denn er kann sich kaum mehr von Anfragen von Verkäufern aber auch Käufern oder Investoren retten. So entstand die Idee dieser Veranstaltung als Informationsplattform um beiden Seiten die verschiedenen Möglichkeiten der Finanzierung und Strukturierung einer familien-externen Betriebsübergabe aufzuzeigen.

Das Interesse war rießengroß, so dass einige Besucher sogar auf den Stufen des Hörsaals sitzen oder stehen mußten

Da Erhard nicht nur sehr kompetent und engagiert mit Urban zusammen gearbeitet hat, sondern auch dafür “verantwortlich” ist, dass Urban und ich uns kennengelernt haben, mußte ich in der Talkrunde spontan das Wort ergreifen um zu bestätigen, dass Erhard ein wirklich guter und ganzheitlich denkender Berater ist, den ich sehr empfehlen kann.

Und da ich ja irgendwann im November begonnen habe “unsere Geschichte” zu erzählen, nutze ich die Gelegenheit und fange mal ganz von vorne an…

Urbans Traum

21. Januar 2015 | von Urban in Allgemein | Persönliches - (1 Comments)

Nach meiner Ausbildung als Käser und 12 jähriger Selbständigkeit mit einer Appenzeller Käserei in einem Dorf in der Nähe von St. Gallen wurde in mir die Frage immer präsenter, ob ich mit Anfang 40 vielleicht doch noch einmal etwas ganz Neues wagen sollte. Das Interesse und die Liebe zum Wein waren in den letzten Jahren allmählich und durch manchen Zufall gewachsen und ich verbrachte relativ viel Zeit damit, mir die Weinguts-Immobilienangebote der Toskana und des Piemonts anzusehen. Mit meinem Bruder besichtigte ich dann das ein oder andere Weingut, merkte aber sehr schnell, dass meine Schweizer Mentalität nicht ganz zu dem italienischen Lebens- und Arbeitsstil passten. Also war klar, dass der Traum eines eigenen Weinguts eher im deutschsprachigen Raum, sprich Österreich oder Deutschland zu verwirklichen wäre.

Bei Freunden im Remstal hatte ich schon so manche vergnügliche Abendstunde nach vollbrachtem Tagwerk im Weinberg genossen, so dass ich mich selbst auf die Probe stellen wollte, ob mir die tagtägliche Arbeit im Weinberg auch noch Freude machen würde. So bewarb ich mich beim Weingut Bachtobel im Kanton Thurgau um eine “Praktikatenstelle”.

So oft es ging fuhr ich im Jahr 2012 am Mittag die 30 km nach Weinfelden um mich bei den täglich anfallenden Arbeiten im Weinberg und Keller nützlich zu erweisen. Trotz der Doppelbelastung schmeckte mir diese Arbeit sehr gut und ich begann mehr und mehr Pläne zu schmieden, wie ich das Projekt Weingut in die Tat umsetzen könnte.

Dabei stieß ich in im Internet auf das Angebot von Erhard Heitlinger, der Weinbaubetriebe bei strategischen Fragen unterstützen wollte. Ich nahm Kontakt zu ihm auf und ab da machte  Erhard Weingüter für mich ausfindig , deren Nachfolgesituation ungeklärt war und die einen Nachfolger oder einen Investor suchten.

Irgendwann kam dann die Frage von Erhard, ob ich denn ganz alleine sei, bzw. das Weingut alleine – ohne Frau –  führen wollte. Diese Vorstellung schien ihm sichtbar suspekt bzw. unsvorstellbar. Ich gab ihm das Signal, dass er auch in dieser Hinsicht “vermitteln” dürfe.

Fortsetzung folgt….