von Eva Raps und Urban Kaufmann
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Wie eine Armee verletzter Soldaten….mit Trauerflor…

Wie verletzte Soldaten stehen unsere Reben da, seitdem in der letzten Woche ein Heer von Südamerikaner über sie hergefallen ist. Und das auch noch in unserem Auftrag. Doch die Mission der Südamerikaner war friedlich und hieß “Umpfropfen”.

In einer Seitenlage des Hendelbergs, direkt angrenzend an den Steinberg, hatte Hans Lang vor ca. 15 Jahren Dornfelder angepflanzt. Wir haben keine Verwendung für diesen Wein (denn wir lieben Spätburgunder)  und trugen uns mit dem Gedanken die Rebstöcke auszuhacken. Da stieß Urban auf eine andere Möglichkeit, mit der man einen neue Rebsorte pflanzen kann, ohne auf die Kraft der Rebwurzeln der 15 jährigen Stöcke verzichten zu müssen.

So lagerten wir im Herbst die Ruten eines Weissburgunders ein und die Profis aus Südamerika schnitten die Augen dieser Ruten heraus und pflanzten sie in den Stamm der Dornfelderreben. Dazu braucht es eine spezielle Schnitttechnik mit eine Kerbe in den Stamm geschnitten wird. Das Auge des Weissburgunders wurde dann in diese Kerbe gelegt und mit einer Art Tapeband festgebunden.

Das geschah in der letzten Woche und wir warten jetzt darauf ob diese Weissburgunder Augen anwachsen. Wenn alles gut läuft ernten wir dann im nächsten Jahr schon den ersten Weissburgunder aus unserer Dornfelderanlage…

Spannend, diese Geschichte, oder?

Die eingelagerten Routen des Weissburgunder

Die Profis aus Südamerika

Das Auge des Weissburgunders wird in die Kerbe des Dornfelders gelegt.

Der Dornfelder erhält eine Fußbinde

Und übrigens, der Trauerflor, das sind Hagelschutznetze, die bereits zu Hans Langs Zeiten angebracht wurden.

Seit drei bis vier Wochen gehen Urban und ich regelmäßig in “unseren” Wisselbrunnen, denn sobald die Triebe ca. 10 cm lang sind, gibt es immer etwas zu tun. Ich nenne das die “Pflege und Erziehung der Weinberge”, denn das ist es im wahrsten Sinne des Wortes. Und so schön wie diese Worte klingen, so empfinde ich diese Arbeit, die wenig anstrengend ist und bei der man die Entwicklung der Rebe und des ganzen Weinbergs so gut verfolgen kann.

Nach dem Rebschnitt verbleibt von dem ganzen Gewirr eines Weinstocks eine einzige (nackte) Rute mit ca. 8-12 “Augen”, aus denen ab April die Knospen aufbrechen. Diese Rute wird beim Binden um den Heftdraht geschlungen, so dass manche Augen in Richtung des Bodens und nicht wie gewünscht nach oben hin austreiben.

Die “nackte” Rute im Frühjahr

Diese Triebe und auch zu dicht wachsende Triebe sowie die Triebe, die am Stamm herauswachsen, werden bereits nach einigen Tagen des Wachstums ausgebrochen. Aus dem Stamm wachsen auch später noch Triebe, die dann wiederholt “ausgeputzt” werden müssen.

Die Triebe nach dem Ausbrechen

Wenn die Triebe dann ca. 30 – 40 cm lang sind, werden, die mittleren Drähte, die wir beim Schneiden ganz aus der Halterung an den Pfählen genommen und auf den Boden gelegt haben, nun nach und nach links und rechts der Triebe so eingehängt, dass sie eine Stütze bilden an der die Triebe möglichst kerzengerade nach oben wachsen können. Mit dem Wachstum werden diese Drähte immer höher eingehängt und gleichzeitig werden die beiden oberen Drähte nach unten gelegt und nach und nach so eingehängt, dass auch längeren Triebe Halt bekommen. Gerade bei stürmisch, gewittrigem Wetter ist das sehr wichtig und schützt die Triebe vor dem Abbrechen.

Der “gepflegte” Weinberg kurz vor der Blüte

Und jetzt warten wir auf die Blüte. Erste Anzeichen dafür haben wir schon entdeckt. Wenn das Wetter weiterhin sonnig bleibt, ist die Blüte in ca. einer Woche vorrüber und der Grundstock für den Jahrgang 2015 ist gelegt.

Am 7. Juni haben wir die ersten Blüten entdeckt

 

Wir haben uns sehr über die zahlreichen Gäste, Kunden und Neukunden gefreut, die während der letzten 4 Tage unser Weingut besucht und unsere Weine verkostet haben. Sehr viele Besucher kannten unseren “Verkostungs-Parcours” noch nicht und waren überrascht und begeistert von unserem etwas anderem Verkostungskonzept, das in einem kleinen Wein und Speisen Rundgang durch das ganze Haus bis hinauf zur Terrasse führte, wo man bei bestem Wetter und einem Glas Weil noch ein wenig verweilen konnte.

Vielen, vielen Dank auch hiermit an unser tolles Team, das diese langen Tage nicht müde geworden ist, immer freundlich und gut gelaunt die Gäste mit Wein und Speisen zu versorgen!!! Danke an Susanne Wolf! Du bist die Kreatorin des soviel gelobten Curry-Linsensalats und Köchin des Chili Con Carnes. Danke an Janina Kirsch und Ute Ahrens! Der Empfang der Gäste war nicht nur ob der Blütenpracht vor dem Haus eine wahrer Genuss. Danke an Octavia Kaster! Du hast unglaublich viel geleistet und jeden Tag 12 Stunden lang hunderte Häppchen zubereitet. Danke an Erhard Heitlinger! Was täten wir ohne Deine kreativen Ideen und Deinen charmanten Service? Danke an Sönje Nickel! Sie haben totz schlimmer Schmerzen wegen des Fersensporns dafür gesorgt, dass das Haus “pickobello” ist. Danke an Eckart Waitz! Ob Wein- oder Essensnachschub, Du warst immer zur Stelle, wenn irgendwo etwas gefehlt hat. Danke an Zennon Krupa und Azad Oguz! Hunderte Weinpakete habt Ihr fix gepackt und in die Autos der Kunden verladen. Danke an Friedel Moos. Selbst im größten Trubel behältst Du beim Rechnungen schreiben einen klaren Kopf. Danke an Conny Busch! Du bist das perfekte “Mädchen für Alles”. Und last but not least: Danke an Birgit Meirer und Thomas Keber! Am vierten Tag, habt Ihr wieder für frischen Wind und als Auswechselspieler für einen nahtlosen Übergang in der Küche gesorgt.

Es hat viel Spaß gemacht mit Euch Allen!

Es gab einen VDP.Kollegen, der mir 2 Wochen nach der Ernte sagte, dass die 2014er Ernte die schwierigste seiner bisherigen Erfahrung gewesen sei. So schwierig hatten Urban und ich die Ernte eigentlich nicht empfunden, wir kannten es ja nicht anders. Ein wenig anstrengend war es natürlich, aber dass der Winzertag nicht nur 8 Stunden hat, das wußten wir ja schon. Das Schlimmste an diesen letzten beiden Wochen der Lese (die ersten beiden Wochen ab Mitte September war das Wetter noch wunderbar) war im Rückblick der tägliche Blick auf den Wetterbericht mit dem Regenradar, verbunden mit der Frage, auf die niemand eine Antwort hatte: wird es in absehbarer Zeit doch nochmal trocken und sonnig werden…? Diese Ungewissheit und die damit verbundene Unsicherheit, wie wir das Lesemanagement für den nächsten Tag gestalten sollen, das war für schon etwas nervenaufreibend. Also doch eine schwierige Ernte… Doch damit sind wir ja nun gut gewappnet auf das was kommen mag und egal wie schlimm es kommt – wir haben eine Ernte mehr Erfahrung als in 2014…

Die Gärung verlief wunderbar zügig und wir waren froh, dass wenigstens ein Fass in der Gärung stehengeblieben ist, denn diese Restsüße brauchen wir jetzt, um dem ein oder anderen trockenen Wein noch etwas mehr Balance in Form von ein paar Gramm Restzucker mit auf den Weg geben zu können.

Und dann kamen ab dem Januar die ersten spannenden Momente der Jungweinproben, mal alleine bei uns im Weingut, mal zusammen mit Kollegen und Experten und schließlich bei den ersten offiziellen Präsentationen wie der ProWein in Düsseldorf und der Weinbörse in Mainz.

Seit wir die Entwicklung eines Weines vom Fass bis hin auf die Flasche und anschließender Flaschenreife so hautnah erleben, wird uns bewußt, dass jede Einzel-Verkostung eines Weines nur eine ganz kurze Momentaufnahme im Leben eines Weines reflektiert, so wie eine einzige Seite in einem dicken Familien-Fotoalbum.

So hat der Geschmack des Weines so lange er noch auf der Hefe liegt kaum Ähnlichkeit mit dem gefilterten Wein. Und einmal gefiltert schmeckt der Wein bei jeder Probe anders, sei es weil man selbst in jeweils anderer Stimmung ist, sei es weil der Wein mal wieder einen gewaltigen Entwicklungssprung seit der letzten Probe gemacht hat. Nur wenige, der ganz herausragenden bzw. anders schmeckenden Fässer erkennt man immer wieder – auch in einer Blindprobe – heraus.

Bis dann der Tag der Abfüllung kommt. Der Wein scheint in einer Art Schockzustand und wir werden es tunlichst vermeiden, ihn künftig früher als 3 Wochen nach der Abfüllung zu verkosten, so deprimiert waren wir nach der Verkostung der ersten Abfüllung des 2014er Gutsweines…

Beseelter Wein und dann so ein Abfüll-Monstrum. Muss da der Wein nicht geradezu in einen Schockzustand fallen…?

Umso glücklicher waren wir dann, dass unser erster Jahrgang bei der ProWein und Weinbörse mit viel Lob bedacht wurde. Und auch wir haben natürlich den ein oder anderen Kollegenwein verkostet und fanden unsere “Babys” mindestens genauso schön. Und ganz sicher nicht nur, weil das  frischgebackenen Eltern eben immer so geht :-)

Ob unsere Erziehung jedoch in genau die von uns gewünschte Richtung geführt hat, das werden wir erst in ca. 6 Monaten sehen, dann werden die Weine aus ihrem Pubertäts-Stadium hinaus sein, sich in ihrer ganzen Schönheit zeigen und sicher manch bisher ungeahnten, ganz eigenständigen, Charakterzug entwickelt haben.

Klarheit, Präzision und Rückrat zeigen Sie auch heute schon – die Anlagen für etwas ganz Großes sind also gelegt…

 

Auch wenn man alles im Weinberg, bei der Lese und dem Ausbau richtig gemacht hat – die Cuvée ist alles entscheidend…

Während wir fast ungeduldig darauf warten, dass die Reben wachsen und es wieder Arbeit in den Weinbergen gibt, beschäftigt uns in den letzten Wochen die Einordnung der einzelnen Fässer zu den Cuvées der verschiedenen Rieslingweine. Was das heißt ist wohl den wenigsten Weinliebhabern bewußt, aber ich finde das eine so spannende neue Erfahrung, dass ich diese unbedingt hier teilen möchte.

Fangen wir von oben an, bei unserer VDP.GROSSEN LAGE dem Hattenheimer Wisselbrunnen.

Nach der Vorlese der bereits von Botritys befallenen Trauben, haben wir das gesunde Lesegut an drei aufeinanderfolgenden Lesetagen geerntet und jeweils separat in Edelstahlfässern ausgebaut. Jedes dieser Fässer hat eine eigenen Geschmack und auch die Säure und Restzuckerwerte variieren etwas. Da wir aber nur den Wein mit den besten Anlagen für eine gute Flaschenreife und mit dem klaren und präzisen Geschmacksbild unserer Vorstellung unter der Bezeichung Wisselbrunnen vermarkten wollen, braucht es schon gewisse hellseherische Fähigkeiten in diesem frühen Stadium die wahre Qualität – sprich das Entwicklungspotential – des Weines zu erkennen und zu entscheiden welches Fass das Rennen machen wird.Und nur dieses Fass bleibt noch eine Weile unberührt im Keller zur Reife liegen, während die anderen Weine aus dieser Lage in die Kategorie des Hattenheimer Ortsweins herabgestuft werden.

Genauso verhält es sich mit den Fässern aus der VDP.ERSTEN LAGE Hattenheimer Schützenhaus. Unser Besitz in dieser Lage ist ziemlich groß, so dass wir auch hier nur die allerbesten Fässer unter dem Lagennamen vermarkten werden, auch wenn wir die gesamte Fläche mit den gleichen Qualitätsanforderungen wie z.B. Ertragsreduzierung und maximaler Reife der Trauben erzeugt haben.

Wenn die Entscheidung bezüglich der Lagenweine gefallen ist, sollte man meinen, dass sich die VDP.ORTSWEINE von ganz alleine ergeben, nämlich alle Weine aus Hattenheimer Lagen kommen in den Hattenheimer und alle Weine aus den Hallgartener Lagen (z.B. Hendelberg, Schönhell, Jungfer) werden in den Hallgartener Ortswein cuvéetiert. Was aber, wenn in diesem Jahr die Weine aus Hattenheim insgesamt schlanker sind und mineralischer schmecken als die Weine aus Hallgarten? Wo es doch im letzten Jahr genau anderesherum war und das eigentlich auch logischer ist, da die Hallgartener Lagen 100 – 200 Meter höher liegen als die Hattenheimer….!?  Da gilt es jetzt ganz genau und immer wieder hinzuschmecken und die Weine in kleinen Probemengen miteinander zu verschneiden um eine Idee von dem Endergebnis zu erhalten, das am Ende die unterschiedliche Charakteristik der beiden Herkünfte zeigen soll.

Aus den Weinen, die dann absolut “aus der Reihe” tanzen, entsteht der Gutswein. Und deshalb ist der Gutswein auch die Visitenkarte des Weinguts. Denn in den Spitzenbetrieben, zu denen wir uns zählen,  werden alle Weinberge mit Sorgfalt bearbeitet und die Trauben mit maximal möglicher Reife geerntet. Der Gutswein ist also keine Cuvée aus minderwertigen Weinen, sondern aus Weinen, die entweder aufgrund ihrer Stilistik nicht in die jeweilige Herkunftskategorie passen oder die der “Auslese der Besten zum Opfer gefallen” sind.

In jedem Fall trägt der Gutswein die Handschrift des Weinguts und so sollte man bei der Beurteilung eines Weinguts diesem Basiswein seine ganze Aufmerksamkeit schenken, denn in ihm vereinen sich letztlich die gesammelte Qualitätsanstrengungen des Winzers. Nicht umsonst wird der Gutswein auch als Visitenkarte des Weinguts bezeichnet.

 

Foto: Hermann Heibel foto@hbpa.de

Danke, Hermann Heibel, für die spontane Fotosession am Ostermontag!

 

Nachdem wir die Trauben des Jahrgangs 2014 mit klopfendem Herzen zu Riesling und Co. haben werden lassen, möchten wir Ihnen nun die Früchte unserer Arbeit nicht länger vorenthalten.

PROBIEREN. GENIESSEN. ENTSCHEIDEN.

Im Mittelpunkt unseres kleinen Genießerfestivals soll der Jahrgang 2014 stehen. Wir werden die Weine thematisch gruppieren, so dass Sie sich in aller Ruhe auf die verschiedenen Geschmacksbilder konzentrieren und sich ihre Favoriten gezielt aussuchen können. Und damit auch wirklich alle Sinne auf ihre Kosten kommen, möchten wir Sie mit kulinarische Beiträgen, selbst gekocht und zu den jeweiligen Weinen passend, verwöhnen.

VOM 14. MAI BIS ZUM 17. MAI VON 11.00 BIS 19.00

Wir erwarten Sie und ihre Freunde mit allem Guten, was die Küche und dem Besten, was unser Weinkeller zu bieten hat, denn das was wir mit dem Jahrgang 2014 in die Flaschen gebracht haben, ist wirklich eine Reise in den schönen Rheingau wert.

Herzlichst
Eva Raps und Urban Kaufmann

PS: Für die vielfältigen kulinarischen und vinologischen Genüsse berechnen wir pro Person einen kleinen Obulus in Höhe von 20 Euro, den wir Ihnen im Falle Ihres Weineinkaufs direkt wieder gutschreiben. Wenn Sie bereits Kunde unseres Weinguts sind, entfällt dieser Obulus. Zur Erleichterung unserer Planung bitten um Ihre Anmeldung per Telefon 06723-2475  oder E-Mail.

Die Weinwelt ist klein…. Von unserem Partnerwinzer Ze’ev Dunia von der Seahorse winery aus Israel erreichten uns heute per Mail die ersten Glückwünsche zu dem Artikel von Michael Schmitt, dem Verkoster aus dem Team von Jancis Robinson, der bei der Hommage auf Hans Lang die Wisselbrunnen Rieslinge und die Johann Maximilian Spätburgunder verkostet hat. Hier kann man den Artikel (in Englischer Sprache) nachlesen….

Hier geht es zu den Tastingnotes von Mario Scheuermann, die vor kurzem im Weinwisser veröffentlicht wurden…

Und hier sind Mario Scheuermanns Bewertungen der Wisselbrunnen Vertikale…. ,mit Bewertungen aktueller Jahrgänge von 89 – 93! Punkten, nachzulesen

Und wenn ich gerade schon mal dabei bin….

…. Jancis Robinsons Bewertung unser 2002er Schützenhaus Spätlese mit 17,5 von 20 Punkten!

…. Jancis Robinsons Bewertung unseres 2013er Schützenhaus Riesling trocken VDP.ERSTE LAGE mit 17,5 von 20 Punkten!

…. Bewertungen unseres Weinguts-Portfolios im aktuellen Falstaff Führer, Eichelmann und Gault Millau

Wir freuen uns sehr, dass uns das Schicksal ein so renommiertes Weingut zugeführt hat. Unsere Startposition ist anspruchsvoll, aber die Verkostungen unseres ersten eigenen Jahrgangs 2014 aus dem Fass sind vielversprechend und wir sind überzeugt, dass wir über kurz oder lang den bisherigen Bewertungen des Weinguts noch eines drauf setzen können….